Neue Fenster machen ein Haus leiser und sparsamer, doch sie nehmen dem Gebäude auch seine früheren Undichtigkeiten. Feuchtigkeit bleibt dann leichter in Bad, Küche oder Schlafzimmer. Eine dezentrale Wohnraumlüftung kann den nötigen Luftwechsel schaffen, ohne Leitungen durch das ganze Haus zu verlegen.
Für viele Altbauten ist das eine pragmatische Lösung. Allerdings entscheiden die Raumplanung, die Kernbohrung und die Luftführung darüber, ob die Anlage leise läuft und tatsächlich gegen Feuchte hilft. Wer Kosten und Einbau realistisch bewertet, vermeidet später Ärger mit Zugluft, Lärm oder Schimmel.
Key Takeaways
- Die Kosten einer dezentralen Wohnraumlüftung liegen 2026 meist bei 500 bis 1.500 Euro pro Raum inklusive Einbau.
- Für ein Einfamilienhaus mit sechs bis acht relevanten Räumen sind oft 5.000 bis 8.000 Euro realistisch.
- Geräte mit Wärmerückgewinnung arbeiten häufig paarweise und brauchen eine durchdachte Luftführung zwischen den Räumen.
- Die Kernbohrung benötigt ein leichtes Gefälle nach außen und eine dauerhaft luftdichte Abdichtung.
- Elektroanschlüsse und Arbeiten an der Gebäudehülle gehören in kritischen Bereichen in Fachhände.
Wann eine dezentrale Lüftung zum Haus passt
Bei einer dezentralen Anlage sitzt das Lüftungsgerät direkt in der Außenwand. Es führt verbrauchte, feuchte Luft nach draußen und bringt gefilterte Außenluft ins Haus. Dafür ist pro Gerät meist ein Wanddurchbruch nötig. Lange Lüftungskanäle im Keller, Dachboden oder in abgehängten Decken entfallen.
Geräte mit Wärmerückgewinnung besitzen meist einen keramischen Speicher. Während eines Takts nimmt der Speicher Wärme aus der Abluft auf. Anschließend dreht das Gerät die Luftströmung um und gibt diese Wärme an die einströmende Außenluft ab. Damit im Gebäude ein sinnvoller Luftaustausch entsteht, arbeiten viele Systeme im Paar gegenläufig.
Das passt gut zu einer Sanierung, bei der einzelne Räume Schritt für Schritt erneuert werden. Auch bei bewohnten Altbauten bleibt der Eingriff überschaubar. Ein Wanddurchbruch und die Montage im jeweiligen Raum reichen oft aus. Der Einbau einer Lüftungsanlage im Altbau verursacht daher meist weniger Baustellen als ein zentrales Kanalsystem.
Geeignet sind vor allem Schlafräume, Kinderzimmer und Wohnzimmer. Dort halten sich Menschen lange auf, und dort fällt durch Atmung viel Feuchtigkeit an. Bad, WC und Küche brauchen dagegen häufig eine gezielte Abluftlösung. Die Luft soll im Haus von den Zulufträumen in Richtung der Feuchträume wandern.
Dafür braucht sie einen Weg. Geschlossene Innentüren blockieren die Luftbewegung. Türunterschnitte, Überströmelemente oder geeignete Lüftungsgitter gehören deshalb zur Planung. Wer nur Geräte an Außenwände setzt, aber die Überströmung vergisst, erhält kein funktionierendes Gesamtsystem.
Bei Fenstertausch, Fassadendämmung oder Dachsanierung muss die Lüftung früh auf den Plan. Ein Lüftungskonzept bei der Altbausanierung prüft, ob der notwendige Luftwechsel noch ohne technische Unterstützung funktioniert. Die Grundlage ist in vielen Fällen DIN 1946-6. Sie betrachtet nicht das Alter des Hauses, sondern die Veränderung der Gebäudehülle.
Dezentrale Wohnraumlüftung: Kosten im Überblick
Die Kosten hängen stärker vom Gebäude ab als vom Gerätepreis allein. Eine glatte, gut zugängliche Außenwand aus Mauerwerk lässt sich schneller bearbeiten als eine dicke Klinkerfassade, eine Betonwand oder ein Wandaufbau mit Innendämmung. Auch hohe Räume, Gerüstbedarf und schwierige Stromwege treiben den Aufwand nach oben.
Ein einfaches dezentrales Abluftgerät kostet häufig etwa 400 bis 850 Euro. Es ersetzt keine vollwertige Zu- und Abluftlösung mit Wärmerückgewinnung. Hochwertige Geräte mit Wärmespeicher, Sensorik und Schalldämmung kosten deutlich mehr. Für ein abgestimmtes Paar mit Wärmerückgewinnung sind meist 1.000 bis 2.000 Euro einzuplanen.
Die folgenden Werte sind realistische Orientierungsgrößen für 2026:
| Kostenposition | Typischer Preis | Wovon der Preis abhängt |
|---|---|---|
| Dezentrales Abluftgerät | 400 bis 850 Euro | Ausstattung, Feuchtesensor, Schalldämmung |
| WRG-Gerät oder Geräteanteil | 1.000 bis 2.000 Euro | Hersteller, Steuerung, Anzahl der Geräte |
| Kernbohrung je Wandöffnung | 100 bis 300 Euro | Wandstärke, Material, Durchmesser, Zugänglichkeit |
| Montage und Abdichtung je Gerät | 200 bis 500 Euro | Elektroanschluss, Fassadenaufbau, Innenausbau |
| Regler und Zubehör | 200 bis 800 Euro | Funksteuerung, Netzteil, Sensoren, Außenhauben |
| Anlage für sechs bis acht Räume | 5.000 bis 8.000 Euro | Gerätetyp, Bauzustand, Montageaufwand |
Für eine kleine Wohnung oder einen gezielten Feuchteschutz im Schlafzimmer kann ein einzelner Raum mit 500 bis 1.500 Euro auskommen. In einem Einfamilienhaus reichen einzelne Geräte jedoch selten. Bei etwa 120 Quadratmetern Wohnfläche werden oft sechs bis acht Lüfter, ergänzende Abluftgeräte und eine gemeinsame Steuerung benötigt.
Der Preisvergleich sollte immer dieselben Leistungen enthalten. Manche Angebote nennen nur die Geräte. Andere beinhalten Kernbohrung, Wandhülse, Außenhaube, Anschluss, Abdichtung, Funktionsprüfung und Einweisung. Eine scheinbar günstige Position kann teuer werden, wenn der Elektriker, die Bohrfirma und der Innenputzer später separat abrechnen.
Eine konkrete Aufstellung der Geräte- und Montageposten hilft beim Einordnen von Angeboten. Hinweise zu Kosten und Fachmontage bietet auch Luftbude zum Einbau von Lüftungsanlagen. Fragen Sie zusätzlich nach dem Aufwand für Gerüst, Fassadenausbesserung und Entsorgung von Bohrschlamm.
Ein Angebot ist erst vergleichbar, wenn Anzahl, Einbauort, Kernbohrung, Elektroanschluss, Steuerung und Inbetriebnahme eindeutig enthalten sind.
Die Planung beginnt vor der ersten Kernbohrung
Ein dezentrales Gerät löst kein Feuchteproblem automatisch. Zuerst muss klar sein, welche Räume Zuluft erhalten, wo Abluft abgeführt wird und wie die Luft dazwischen wandert. Schlafzimmer und Wohnräume sind meist Zulufträume. Bad, WC und Küche liegen auf der Abluftseite.
Die erforderliche Luftmenge hängt von Raumgröße, Nutzung und Feuchteanfall ab. Vier Personen produzieren durch Atmen, Kochen, Duschen und Wäschetrocknen deutlich mehr Feuchtigkeit als ein Einpersonenhaushalt. Ein Planer berücksichtigt daher auch die tatsächliche Belegung. Ein Gästezimmer braucht nicht dieselbe Auslegung wie ein täglich genutztes Schlafzimmer.
Besonders wichtig ist die Lage der Außenhauben. Direkt neben dem Bett kann ein Gerät trotz guter Technik stören. Neben einer stark befahrenen Straße steigen die Anforderungen an Schalldämmung und Filterung. Auch Abluft aus Küche, Kaminabgasen, Mülltonnen oder einer Tiefgaragenzufahrt darf nicht unmittelbar wieder angesaugt werden.
Prüfen Sie die Wand vor der Bohrung auf Leitungen, Stürze, Rollladenkästen und tragende Bauteile. Ein Leitungssucher ersetzt keine zuverlässige Bestandsprüfung, vor allem nicht bei älteren Gebäuden. Pläne, Probeöffnungen und die Erfahrung eines Fachbetriebs senken das Risiko erheblich.
Bei denkmalgeschützten Fassaden, Eigentumswohnungen oder Gebäuden mit besonderen Gestaltungssatzungen gelten zusätzliche Regeln. Je nach Bundesland und Gemeinde kann ein Wanddurchbruch genehmigungsrelevant sein. Rücksprache mit dem Bauamt, der Denkmalschutzbehörde oder der Eigentümergemeinschaft ist vor dem Auftrag sinnvoll.
Auch die Sanierungsreihenfolge zählt. Erst Fenster tauschen und später über Lüftung nachdenken, führt oft zu Zeitdruck. Besser ist es, Fensteranschlüsse, Dämmung, Elektrik und Lüftungsgeräte gemeinsam zu planen. Wer die Wohnraumlüftung im Altbau nachrüsten möchte, sollte die neue Luftdichtheit des Hauses gleich mitbewerten.
Einbau einer dezentralen Lüftung in der Praxis
Vor dem Bohren markiert der Fachbetrieb Innen- und Außenposition. Die Montagehöhe richtet sich nach dem Gerät, der Raumgeometrie und den Vorgaben des Herstellers. Möbel, Vorhänge und hohe Schränke dürfen die Luftströmung nicht blockieren. Auch außen muss die Haube frei bleiben.
Die Kernbohrung erhält ein leichtes Gefälle nach außen. Dadurch kann Kondensat oder eingedrungenes Regenwasser nach draußen ablaufen. Als Richtwert gelten oft ein bis zwei Grad. Das Gefälle darf aber nicht nach innen zeigen. Sonst sammelt sich Feuchtigkeit in der Wandhülse oder tritt in den Innenausbau ein.

Nach der Bohrung wird die Wandhülse exakt gekürzt und eingesetzt. Entscheidend sind die Anschlüsse an die luftdichte Ebene innen sowie an den Wetterschutz außen. Der Zwischenraum darf keine offene Fuge bilden. Sonst entstehen Wärmeverluste, Zugerscheinungen und im ungünstigen Fall Feuchteschäden im Bauteil.
Danach folgen Wärmespeicher, Ventilator und Innenblende. Bei mehreren Geräten verbindet ein Regler die Lüfter so, dass sich Zu- und Abluft sinnvoll ergänzen. Eine Feuchteführung kann den Luftwechsel bei Duschen oder hoher Raumluftfeuchte automatisch erhöhen. Dennoch ersetzt sie keine saubere Grundplanung.
Der Elektroanschluss gehört zum Einbau dazu. Manche Geräte arbeiten mit Schutzkleinspannung und einem Netzteil, andere benötigen einen festen Netzanschluss. Arbeiten an Gas- und Elektroinstallationen dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben ausgeführt werden. Das betrifft auch das Herstellen neuer Stromkreise und die feste Verbindung im Verteiler.
Hausbesitzer können vorbereitende Arbeiten übernehmen, etwa Möbel abrücken, den Montagebereich freiräumen oder nach Abstimmung den Innenanstrich ausbessern. Eine Kernbohrung in der Außenwand sollte jedoch nur selbst ausgeführt werden, wenn Wandaufbau, Statik, Leitungsführung und Abdichtungsdetails sicher bekannt sind. Andernfalls kostet ein Bohrfehler mehr als die beauftragte Leistung.
Typische Fehler bei Planung und Montage
Die Gerätezahl wird zu knapp gerechnet
Ein häufiger Fehler ist der Versuch, mit zwei Lüftern ein ganzes Haus zu versorgen. Die Anlage schafft dann in einzelnen Räumen keinen ausreichenden Luftwechsel. Feuchte bleibt an kalten Außenwänden, während die Bewohner die Geräte wegen hoher Stufe als laut empfinden.
Die Raumweise Auslegung verhindert diese Fehlplanung. Planen Sie außerdem eine kleine Leistungsreserve ein. Geräte, die dauerhaft auf höchster Stufe laufen müssen, sind meist hörbarer und verschleißen schneller. Eine realistische Planung erlaubt, dass der Normalbetrieb leise bleibt.
Zuluft und Abluft folgen keinem Luftweg
Ein Lüfter im Wohnzimmer und ein weiterer im Bad reichen nicht automatisch aus. Wenn dazwischen dichte Türen liegen, fehlen die Überströmwege. Die Luft nimmt dann den einfachsten Weg, oft über Undichtigkeiten oder geöffnete Fenster.
Türunterschnitte und Überströmelemente müssen zur geplanten Luftmenge passen. Vor allem nach neuen Innentüren oder einem Bodenaufbau kann ein zuvor vorhandener Spalt verschwinden. Das fällt häufig erst auf, wenn Badgerüche oder Feuchte im Flur stehen bleiben.
Die Kernbohrung hat kein Außengefälle
Eine waagerechte oder nach innen fallende Bohrung ist einer der teuersten Montagefehler. Feuchte kann nicht ablaufen und belastet die Wandhülse. Im Winter kann sich Kondensat sammeln, bei Schlagregen dringt Wasser leichter nach innen.
Auch ein unpassender Bohrdurchmesser ist problematisch. Ist die Öffnung zu groß, wird die Abdichtung unnötig schwierig. Ist sie zu klein, sitzt die Hülse unter Spannung oder lässt sich nicht korrekt montieren. Die Maße aus der Montageanleitung des jeweiligen Geräts sind verbindlich.
Der Hersteller Ventomaxx beschreibt weitere typische Montagefehler bei dezentralen Lüftungsanlagen, darunter falsch sitzende Wandhülsen und fehlende Schutzgitter. Solche Details wirken klein, bestimmen aber die Haltbarkeit der gesamten Installation.
Die Abdichtung zur Wand bleibt lückenhaft
Montageschaum allein ist keine dauerhafte Lösung für jeden Wandaufbau. Innen muss der Anschluss luftdicht sein. Außen braucht die Durchführung einen zuverlässigen Wetterschutz. Bei gedämmten Fassaden muss der Fachbetrieb außerdem prüfen, wie Hülse, Dämmstoff und Außenhaube zusammenpassen.
Undichte Anschlüsse führen zu kalter Zugluft. Sie können auch feuchte Raumluft in den Wandaufbau gelangen lassen. Dort kondensiert Wasser oft unbemerkt. Die Schäden zeigen sich dann erst nach Jahren an Putz, Dämmung oder Holzbauteilen.
Der Schallschutz wird unterschätzt
Dezentrale Lüftung arbeitet mit Ventilatoren. Selbst leise Geräte können stören, wenn sie falsch platziert sind oder dauerhaft in hoher Stufe laufen. Im Schlafzimmer zählt nicht nur der Datenblattwert, sondern auch die Einbausituation. Schall kann sich über eine harte Wandhülse und ungeeignete Innenblenden übertragen.
An lauten Straßen braucht das Gerät eine passende Schalldämmung. Außenhaube, Wandstärke und Schallschutzklasse müssen zusammenpassen. Achten Sie außerdem auf die Filterklasse. Pollenfilter helfen Allergikern, doch ein dichter Filter kann den Luftwiderstand erhöhen und muss deshalb regelmäßig gewechselt werden.
Möbel und Vorhänge blockieren die Luft
Ein hohes Regal direkt vor dem Gerät bremst die Luft. Schwere Vorhänge können die Ansaugung sogar teilweise verschließen. Dann steigt das Geräusch, während die tatsächliche Luftmenge sinkt. Besonders bei nachträglicher Einrichtung gerät dieser Punkt schnell in Vergessenheit.
Auch außen braucht die Haube Abstand. Kletterpflanzen, dichtes Gebüsch oder ein später montierter Sichtschutz dürfen den Luftaustritt nicht einengen. Die Wartung bleibt nur einfach, wenn Innenblende und Außenhaube erreichbar sind.
Betrieb, Wartung und Förderung realistisch einplanen
Eine dezentrale Wohnraumlüftung braucht wenig Aufmerksamkeit, aber sie läuft nicht wartungsfrei. Filter sollten abhängig von Standort, Jahreszeit und Herstellerangabe kontrolliert werden. An einer stark befahrenen Straße oder bei Pollenbelastung kann ein Wechsel früher nötig sein als im ländlichen Umfeld.
Für Strom, Filter und gelegentliche Wartung entstehen laufende Kosten. Als Orientierung sind jährlich etwa 100 bis 300 Euro Stromkosten und 50 bis 150 Euro für Filter möglich. Bei mehreren Geräten steigen die Filterkosten entsprechend. Wer den Wechsel selbst übernimmt, sollte nur freigegebene Filter verwenden und die Revisionsöffnungen sorgfältig schließen.
Die Inbetriebnahme verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Prüfen Sie, ob alle Geräte korrekt zugeordnet sind, ob Paare gegensätzlich arbeiten und ob Feuchtesensoren reagieren. Ein Messprotokoll oder eine dokumentierte Einregulierung schafft Klarheit. Bei größeren Sanierungen kann ein Blower-Door-Test im Altbau zeigen, ob ungeplante Leckagen die Luftdichtheit beeinträchtigen.
Für Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung können Förderprogramme im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude relevant sein. Bedingungen, technische Mindestwerte und förderfähige Kosten ändern sich. Deshalb sollten Sie den aktuellen Förderstatus vor Vertragsabschluss bei der zuständigen Stelle prüfen. Häufig gilt: Erst Antrag oder Förderzusage klären, dann beauftragen.
Fazit: Gute Planung spart mehr als der billigste Lüfter
Die Kosten einer dezentralen Wohnraumlüftung entstehen nicht nur durch die Geräte. Wandaufbau, Kernbohrung, Abdichtung, Elektroanschluss und die richtige Luftführung bestimmen den tatsächlichen Aufwand.
Wer die Anlage früh mit Fenstern, Dämmung und Raumaufteilung plant, vermeidet die häufigsten Fehler. Eine sauber installierte dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung schützt vor Feuchtespitzen und hält den Wärmeverlust beim Luftwechsel begrenzt.
