Radon sieht, riecht und schmeckt man nicht. Trotzdem kann sich das radioaktive Edelgas in Kellerräumen ansammeln und über Undichtigkeiten auch ins Erdgeschoss gelangen.
Wenn Sie Radon im Keller messen, erhalten Sie eine belastbare Grundlage für weitere Schritte. Ein einzelnes Lüften oder ein Blick auf eine regionale Karte reicht dafür nicht aus, denn die Konzentration schwankt im Tages- und Jahresverlauf stark.
Mit einer sauberen Messung lässt sich klären, ob kleine Verbesserungen genügen oder eine bauliche Sanierung sinnvoll ist.
Warum Radon im Keller häufiger vorkommt
Radon entsteht beim natürlichen Zerfall von Uran im Boden und Gestein. Es steigt aus dem Untergrund auf und sucht sich den Weg des geringsten Widerstands. Risse in der Bodenplatte, undichte Fugen, Rohrdurchführungen und nicht abgedichtete Kabelkanäle sind typische Eintrittsstellen.
Keller liegen direkt am Erdreich. Deshalb sind die Messwerte dort oft höher als in den oberen Stockwerken. Besonders betroffen sein können Altbauten mit Natursteinmauerwerk, ungedichteten Bodenplatten oder nachträglich eingebauten Leitungen.
Das Gas selbst ist nicht das einzige Problem. Beim Zerfall entstehen radioaktive Folgeprodukte, die sich an Staubpartikel anlagern. Wer sie über lange Zeit einatmet, erhöht sein Lungenkrebsrisiko. Das Bundesamt für Strahlenschutz erklärt die gesundheitlichen Zusammenhänge im Video über Radon aus dem Erdreich.
Ein hoher Wert im unbeheizten Lagerkeller bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Schlafzimmer ebenfalls belastet ist. Umgekehrt kann ein niedriger Kellerwert andere Aufenthaltsräume nicht vollständig freisprechen. Luftbewegungen, offene Türen, Heizgewohnheiten und der Zustand der Gebäudehülle verändern die Verteilung im Haus.
Ein Messgerät im Keller bewertet nicht automatisch die Radonbelastung in Wohn- und Schlafräumen.
Radon im Keller messen: So gelingt eine aussagekräftige Messung
Für eine verlässliche Einschätzung eignet sich eine Langzeitmessung mit passiven Exposimetern. Das sind kleine Messdosen, die mehrere Monate im Raum bleiben und anschließend von einer Messstelle ausgewertet werden. Sie erfassen den Wert über einen langen Zeitraum und glätten dadurch typische Schwankungen.
Das BfS empfiehlt für Wohngebäude eine Messdauer von zwölf Monaten. Nur der Jahresmittelwert bildet ab, was im Haus tatsächlich passiert. Im Winter steigen Radonwerte oft, weil Fenster seltener geöffnet werden und der Druckunterschied zwischen Haus und Boden größer ist.

Die passenden Räume und Messpunkte auswählen
Starten Sie im Keller an einer Stelle, an der Leitungen durch Boden oder Wand ins Haus führen. Dort können erhöhte Werte auftreten. Zusätzlich gehört ein Messgerät in den am häufigsten genutzten Raum der untersten Wohnebene, etwa ins Schlafzimmer oder Wohnzimmer.
Die Messdose sollte im normalen Aufenthaltsbereich stehen. Ein Regal oder Schrank in mittlerer Höhe passt meist gut. Vermeiden Sie Fensterbänke, Heizkörper, direkte Zugluft und dauerhaft feuchte Ecken. Halten Sie sich außerdem an die Vorgaben des jeweiligen Messanbieters.
Während der Messzeit bleibt der Alltag möglichst unverändert. Lüften Sie so, wie Sie es sonst auch tun. Wer plötzlich dauerhaft Fenster kippt, erzeugt einen Wert, der wenig über die übliche Belastung aussagt.
Elektronische Radonmessgeräte zeigen schon nach Tagen Tendenzen und machen Schwankungen sichtbar. Für eine Sanierungsentscheidung ersetzen sie eine 12-Monats-Messung aber nicht. Sie sind vor allem eine sinnvolle Ergänzung, wenn Sie prüfen möchten, wie sich Lüften oder eine Abdichtung auf den Verlauf auswirken.
Messergebnisse richtig dokumentieren
Notieren Sie bei der Auswertung, welche Räume gemessen wurden und wie diese genutzt werden. Halten Sie außerdem Umbauten, längere Leerstände und auffällige Änderungen am Lüftungsverhalten fest. Das hilft, wenn später ein Fachbetrieb eine Sanierung plant.
Wer Radon im Keller messen lässt, sollte die Messprotokolle aufbewahren. Sie sind eine gute Entscheidungsgrundlage beim Immobilienkauf, bei der Umnutzung eines Kellers oder vor einer größeren Modernisierung.
Der Radon-Referenzwert von 300 Bq/m³
In Deutschland gilt für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze ein gesetzlicher Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft, gemittelt über ein Jahr. Becquerel pro Kubikmeter, kurz Bq/m³, beschreibt die radioaktive Aktivität in der Raumluft.
Dieser Wert ist kein harter Grenzwert, bei dem ein Raum sofort gesperrt werden müsste. Überschreitungen zeigen aber klaren Handlungsbedarf. Die DGUV-Information zu Radon beschreibt den Wert ebenfalls als Maßstab für Schutzmaßnahmen.
Zur ersten Einordnung hilft diese Übersicht. Sie bezieht sich auf den Jahresmittelwert im tatsächlich genutzten Raum.
| Jahresmittelwert | Praktische Einordnung | Sinnvoller nächster Schritt |
|---|---|---|
| Unter 100 Bq/m³ | Niedrige Belastung | Messprotokoll aufbewahren, bei Umbauten erneut prüfen |
| 100 bis unter 300 Bq/m³ | Erhöhte Konzentration möglich | Lüftung und Eintrittsstellen prüfen, Langzeitmessung fortführen |
| Ab 300 Bq/m³ | Referenzwert überschritten | Maßnahmen planen und Wirkung anschließend nachmessen |
Auch ein Wert unter 100 Bq/m³ ist kein gesetzlicher Freibrief. Er liefert jedoch meist keinen Anlass für sofortige bauliche Eingriffe. Bei 300 Bq/m³ und mehr sollten Sie dagegen die Ursache im Gebäude untersuchen lassen.
Für private Häuser besteht keine allgemeine Messpflicht. An Arbeitsplätzen im Keller oder Erdgeschoss gelten in ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten weitergehende Vorgaben. Wird der Keller als Büro, Praxis oder gewerblich genutzter Raum verwendet, gelten andere Anforderungen als bei einem privaten Abstellraum.
Sanierungsoptionen bei erhöhter Radonbelastung
Eine wirksame Radonsanierung unterbricht den Weg zwischen Boden und Innenraum. Welche Maßnahme passt, hängt vom Messwert, der Nutzung des Kellers und der Bauweise ab. Beginnen Sie nicht mit einer beliebigen Abdichtung, sondern mit der Suche nach Eintrittswegen.
Regelmäßiges Stoßlüften kann die Konzentration kurzfristig senken. Für wenig genutzte Kellerräume ist das oft ein erster Schritt. Bei dauerhaft hohen Werten reicht Lüften allein jedoch selten aus. Eine mechanische Lüftung braucht eine Fachplanung, denn ungünstige Druckverhältnisse können Radon aus dem Boden sogar stärker ansaugen.

Typische Sanierungsansätze sind:
- Fugen zwischen Bodenplatte und Wand, Risse sowie Leitungsdurchführungen werden mit geeigneten, dauerhaft dichten Systemen geschlossen.
- Bei zugänglichen Bodenplatten kann eine radondichte Abdichtung auf oder unter dem Bodenaufbau den Eintritt begrenzen.
- Unter der Bodenplatte kann ein Fachbetrieb ein Absaugsystem installieren. Es senkt den Druck im Erdreich und leitet belastete Bodenluft kontrolliert nach außen.
- Bei größeren Umbauten lassen sich Abdichtung, Lüftung und die Sanierung erdberührter Bauteile gemeinsam planen.
Ein HEPA-Luftreiniger löst das Problem nicht. Er filtert Partikel, senkt gasförmiges Radon aber nicht verlässlich. Das BfS nennt als erste Maßnahmen vor allem Lüften und das Abdichten von Eintrittsstellen, weist aber auch auf weitergehende bauliche Lösungen hin: Schutzmaßnahmen gegen Radon.
Feuchte Wände und Radoneintritt treten oft gemeinsam auf, haben aber nicht immer dieselbe Ursache. Bevor außen aufgegraben oder innen gedämmt wird, sollten Sie deshalb feuchte Kellerwände fachgerecht sanieren. Eine neue Dämmung auf nassem Mauerwerk kann die Feuchte im Bauteil verschieben und Folgeschäden verursachen.
Was Sie selbst übernehmen können und wann ein Fachbetrieb nötig ist
Sie können Messgeräte aufstellen, Messprotokolle führen und sichtbare Problemstellen dokumentieren. Auch die Vorbereitung ist hilfreich: Keller räumen, Leitungsdurchführungen fotografieren und den Verlauf von Rissen festhalten.
Bei kleineren Fugen kann eine Abdichtung in Eigenleistung möglich sein, sofern Material und Untergrund zusammenpassen. Arbeiten an Bodenplatte, Außenabdichtung oder druckgesteuerten Lüftungssystemen gehören dagegen in erfahrene Hände. Fehler können Feuchte einschließen oder die Wirkung der Radonsanierung zunichtemachen.
Arbeiten an Gas- und Elektroinstallationen dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben ausgeführt werden.
Bei Durchbrüchen, Änderungen an tragenden Bauteilen oder größeren Erdarbeiten ist eine bautechnische Prüfung nötig. Je nach Bundesland und Umfang der Maßnahme kann auch Rücksprache mit dem Bauamt sinnvoll sein.
Kosten und Sanierung sinnvoll planen
Die Kosten richten sich weniger nach dem Messwert als nach der Ursache. Eine Langzeitmessung und das Abdichten weniger zugänglicher Durchführungen bleiben überschaubar. Deutlich aufwendiger werden Maßnahmen unter der Bodenplatte, außenliegende Abdichtungen oder ein fest installiertes Absaugsystem.
Fordern Sie bei hohen Werten Angebote mit einer klaren Beschreibung an. Darin sollten Zielwert, vorgesehene Maßnahme, Schutz der vorhandenen Abdichtung und eine Kontrollmessung nach Abschluss stehen. Nur ein neuer Jahresmittelwert zeigt, ob die Sanierung im Alltag wirkt.
Muss die Außenwand ohnehin freigelegt werden, lässt sich die Radonabdichtung mit einer Perimeterdämmung im Altbau abstimmen. Eine Dämmmaßnahme ersetzt aber keine geprüfte Abdichtung gegen Radon.
Fazit
Eine 12-Monats-Messung zeigt, ob Radon im Keller ein bloßes Risiko oder ein konkretes Sanierungsthema ist. Entscheidend ist der Jahresmittelwert in den Räumen, in denen Menschen regelmäßig Zeit verbringen.
Bei Werten ab 300 Bq/m³ braucht es passende Schutzmaßnahmen und eine erneute Langzeitmessung. Radon im Keller messen ist daher der erste Schritt zu einem gesünderen und technisch sauber sanierten Haus.
